Xanten

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Mai-Tour 2006

28./29. April 2006, 30. April und 1. Mai 2006

 

Freitag, 28. April 2006

Der Wetterfrosch meint es nicht gut mit uns. So disponieren wir kurzfristig um und nehmen Kurs Richtung Niederrhein, statt – wie ursprünglich geplant – Richtung Mittelrhein.

Unser Weg führt uns über die B58 bis Haltern-Sythen, anschließend über Lavesum, Granatsberg, Klein-Reken und Bahnhof-Reken nach Borken und dann über die B67 Richtung Rhedebrügge, wo wir zum allerersten Mal im Rhee-Tona einkehren. Auf dem Parkplatz fühlen sich unsere Maschinen sehr einsam – weitere „Artgenossen“ sucht man an so einem Tag wie diesem offenbar vergeblich.

Kaum haben wir unseren Kaffee geschlürft, zieht sich der Himmel bedrohlich zu. Wir lassen uns jedoch kaum beeindrucken und fahren weiter Richtung Rhede, Bocholt, Isselburg, Rees und Vrasselt nach Emmerich.

Dort angekommen, machen wir kurz an der netten Rheinpromenade Rast und genießen die wenigen (aber extrem windigen) Sonnenstrahlen des Tages, bevor wir  den Rhein über die längste Hängebrücke Deutschlands überqueren und die Klever Innenstadt anpeilen.

  

Klares Ziel, schwieriger Weg:

Wie um alles in der Welt erreicht man Kleve-City?

Gar nicht so einfach, wie sich erweist, immerhin gilt es, sich zwischen der Ober- und der Unterstadt zu entscheiden. Wir entscheiden uns für Letztere und machen es uns dort an den Außentischen eines Bäckerei-Cafe’s gemütlich. Gern hätten wir einen Blick vom „Schwanenburg“-Turm riskiert, sparen uns dieses Highlight jedoch angesichts der aufziehenden megadunklen Wolken und fahren direkt weiter über Bedburg-Hau und Uedem nach Xanten.

In Xanten mahnt uns die Uhr, uns endlich ein Quartier zu suchen. Zunächst liebäugeln wir mit dem „Gästehaus Xanten“ in der Poststraße.

Das Haus macht einen gepflegten Eindruck, das Doppelzimmer für 79 Euro die Nacht ist frei, unsere Moppeds dürfen wir hinter dem Biergarten abstellen und dieser ist durch ein abschließbares Tor von der Straße getrennt. Allerbeste Voraussetzungen also, hier die Nacht zu verbringen. Gerade eingecheckt suchen wir dennoch sehr schnell das Weite, nachdem wir das jugendherbergsähnliche 4-Bett-Zimmer gesichtet haben und uns zudem noch bewusst wird, dass hier absolutes Rauchverbot herrscht.

Nach einer Mini-Rundfahrt durch die Stadt, flüchten wir uns ins „Stadt-Gut-Hotel-Restaurant Hövelmann’s“ (Markt 31-33, 46509 Xanten). Der trike-fahrende Wirt, Andreas Scholz empfängt uns nach einem kurzem „Achtung-wir-sind-auf-dem-Weg-zu-Euch-Anruf“ direkt an der Garage, um unsere Moppeds in ihr wohlverdientes Nachtlager zu geleiten. Ohne weitere Nachfrage gewährt er uns einen Spezialpreis für das Doppelzimmer (Normalpreis: 89 Euro – Biker/Triker-Spezialpreis: 80 Euro). Nach dem Frühstück gefragt, erklärt er uns, wir mögen am kommenden Morgen einfach in Ruhe aufstehen und es bedürfe keiner Eile; 10 oder 11 Uhr – kein Problem! – Ich mag diese Unterkunft bereits jetzt! 🙂

Nach dem Einchecken hüpfen wir fix unter die Dusche. Da unsere Mägen knurren, verzichten wir auf jegliche Sucherei und kehren in die direkt gegenüber liegende Pizzeria „Vecchio Teatro“ (Markt 14-15) ein, der auch eine Eisdiele angeschlossen ist. Das Ambiente ist  nicht übel aber leider hinterlassen weder die „Pizza Tonno“ noch die „Pizza Diavolo“ einen bleibenden Eindruck und das „Krefelder“ grenzt wohl am Lausigsten, das meinen Gaumen je benetzt hat. Auch der Service ist wohl eher auf speisende, als sich danach weitervergnügende Gäste ausgerichtet, drum sehen wir nach dem Essenfassen zu, dass wir fix weiter kommen.

Frisch gestärkt drehen wir eine kleine Runde durch die Xantener City und stoßen unterwegs auf zwei spaßangehauchte und von einem Nachtwächter geführte Grüppchen, die mit ihren antiken Laternen übermütig, aber planlos-juchzend durch die Gegend wedeln.

Amüsiert, aber auch leicht irritiert beschließen wir, ins von außen sehr gemütlich anmutende Gotische Haus einzukehren, dessen Eingang riesige Fackeln zieren.

Glückstreffer sind selten – diesen haben wir jedoch gewiss:
Die altertümliche Atmosphäre erweist sich auch IN dem Gebäude als irre gemütlich und ein „großer“ Kaffee  macht seinem Namen hier noch alle Ehre! Selbst die Toiletten sind ein Erlebnis: Wo findet  man schon Doppelschwing-Saloon-Türen in einem Kellergewölbe?

Sehr schnell müssen wir feststellen, dass hier offenbar vorrangig „Clübchen“ zugegen sind. Diese verabschieden sich nach und nach – wir jedoch halten bis halb drei die Stellung. Als uns zu Ohren kommt, dass das im Hinterzimmer tagende Grüppchen offenbar den Verzehr-Rekord des Hauses gebrochen hat(? – zumindest lag er im vierstelligen Bereich) wird uns unheimlich und wir machen uns auf den Weg ins Hotel.

 

Samstag, 29. April 2006

Müde aber zufrieden in die Betten gefallen, erwachen wir erst durch den für halb 10 gestellten Handy-Wecker aus dem wohlverdienten Schlaf. Nach einem ausgedehnten, guten Frühstück (ein Korb frische Brötchen und Brot, eine Aufschnitt-/Käseplatte, eine Platte mit Marmelade, Honig und Nutella, Joghurt und Müsli, O-Saft und Milch) sattelten wir gegen 12 Uhr unsere Motorräder.

Schade – der Wettergott scheint uns heute nicht üppig wohlgesonnen, drum steigen wir direkt in unsere Regenkombis. Von Regentröpfchen gepiesackt nehmen wir zunächst Kurs auf die „Rheinfähre“. Angeglich soll hier mächtig was los sein…
Tja… An diesem trüb-regnerischen Tag bevorzugen die Biker jedoch offenbar allesamt das Bett.

Schade eigentlich, aber egal: „Fix weiter, bevor die Schuhe triefen“ lautet das Motto! Gut gedacht – schlecht umgesetzt, denn offenbar hat meine CB etwas gegen unseren Plan und stellt sich stur…

… Unser ungeteilter Dank gilt nach wie vor dem Dosenfahrer, der so freundlich war, die CB-Batterie kurzerhand zu überbrücken.

Glücklich über die „Wiederauferstehung“, lassen wir uns von dem just einsetzenden Unwetter mit starkem Wind und Hagel nicht offenkundig beeindrucken und erfreuen uns spätetens im knapp 50 km entfernten Büderich an unseren klitschnassen Füssen.

Hatten wir zunächst noch geplant, den Rückweg auf netten, geschwungenen Sträßchen zu genießen, disponieren wir schnell um und suchen in Wesel die B58, um schnurstracks Richtung Heimat zu fahren.

Kurz vor Wulfen dann (wieder mal *seufz*) die Überraschung: der Bahnübergang ist mal gesperrt – hurra! Im Gegensatz zum letzten Mal lässt die Sperrung diesmal allerdings nichtmal mehr ein Mopped durch und so entschließen wir uns, eine kleine Pause mit Ziel „Irmis Cafe-Stübchen“ (Lasthausener Weg 2, 46286 Dorsten-Denten) einzuwerfen.

Der mit „Biker-Frühstück“ werbende Treff erweist sich als recht nett und die Speisekarte klingt nach mehr: Wir genießen einen extrem leckeren MoccaCino (Kaffee mit Kakao).

Wer hier einkehren möchte, kann dies übrigens jederzeit (täglich von 6 – 19 Uhr, außer mittwochs (ab 13 Uhr geschlossen), Sonn- und Feiertags von 8 – 19 Uhr). Die Speisekarte reicht von Rührei-Brötchen, über Zigeunerfrikadellen bis hin zu Eis.

Als wir endlich beschließen weiterzufahren, fängt es draußen prompt an zu hageln und in der Ferne zu gewittern. Unbeirrt umkurven wir die Umleitung und gelangen über Lippramsdorf zurück auf die B58, wo wir dann plötzlich feststelten, dass das uns bekannte „Haltern“ nur noch schlappe 7 km entfernt ist.

Wenige Atemzüge später erreichen wir den Ortseingang L’hausen, wo es ebefalls urplötzlich tierisch anfängt zu gießen und zu gewittern. Zum Glück stehen wir zu dem Zeitpunkt bereits vor der heimischen Garage und notieren seit der Abfahrt am Vortag 259 km mehr auf dem Tacho. 🙂

Das nächste Mal finden wir bestimmt auch Zeit, für ein wenig „Kultur“, wobei dann auf dem Programm stehen könnte:

  • Diebesturm in Borken
    Der stärkste Turm der 5-türmigen Stadtbefestigung diente bis 1908 als Stadtgefängnis und wird heute auch Liebesturm genannt, da das Standesamt dort beheimatet ist
  • Wasserschloss „Haus Diepenbrock“ in Barlo
  • Alte Holländer Turmwindmühle in Rhede-Krommert, die von innen besichtigt werden kann
  • L8 durch das Naturschutzgebiet Düffel am Altrheinarm von Emmerich, incl. Grieth (mit Personen-Fährstation)
  • L8 (Rheinstraße) bis hin zur „Reeserschanz“ am Rheinufer incl. Reeser Rheinpromenade nahe des Fähranlegers Niedermörmter
  • Schwanenburg in Kleve mit Panoramablick über die Rheinebene bis in die Niederlande
    (Besichtigung sommertags täglich von 11 – 13 Uhr)
  • Xantener Nordsee und Südsee in Xanten-Wardt, die durch einen künstlichen Kanal verbunden sind
    (Mittelpunkt: Nibelungenbad mit einer Strandlandschaft à la Sylt und eine moderne Wasserskianlage, www.f-z-x.de.)
  • Schloß Moyland bei Kleve
  • Wir werden nicht nur den APX (Archäologischen Park Xanten) bestaunen, sondern auch die Sehenswürdigkeiten der altertümlichen Stadt ein wenig näher ins Auge fassen:
    Stadtrundgang Xanten
    .

    Sicherlich werden wir dann auch den Dom St. Viktor, das Klever Tor mit seinen drei renovierten Appartements (die man als Urlauber über die Touri-Info Xanten, Tel. 02801-98300 auch mieten kann) und die Kriemhildmühle (diente einst dem Nachtwächter als städtische Wohnung und wird heute von einem Müller und Vollwertbäcker betrieben), näher betrachten.

  • Daneben sollte auch ein kleiner Abstecher in die Niederlande drin sitzen, um die Windmühle „De Vier Winde“ in Lichtenvoorde-Vragender zu besichtigen, die noch bis heute in Betrieb ist.

Gelernt haben wir allerdings bereits jetzt, dass eine „Motte“ nicht ausschließlich ein stoff-ankauendes Flügelgetier sein muss, sondern es sich dabei auch um eine frühere Wehranlage handeln kann, die aus einem Hügel, einem (Wohn-)Turm (für Adelige) und einem Graben besteht.  Man munkelt, einige davon hätten sicher später zur Burg bzw. Wasserschloss entwickelt (die man am Niederrhein und im Münsterland häufig auch „Haus“ schimpft).

 

Sonntag, 30. April 2006

Zunächst vermag das Wetter auch am Sonntag eigentlich niemanden vom Kamin wegzulocken. Urplötzlich aber brechen die Wolken gegen 16 Uhr auf. Schnell packen wir die Gelegenheit beim Schopfe, satteln unsere Motorräder und fahren los!

Unsere Tour führt uns über die wenig reizvolle B235 bis Senden. Von dort schwenken wir rüber Richtung Amelsbüren und beschließen, unsere Kaumuskeln in Münster am Schifffahrter Damm im Road-Stop zu verwöhnen.

Das Haus erweist sich als schummerig-gemütlich, allerdings waren wir die einzigen Motorradfahrer. Die Bedienung ist freundlich und flott und das Essen lässt nicht lange auf sich warten.

XXL-Burger und Thunfisch-Salat sind recht ordentlich und auch die Truthahn-Wraps ganz ok, allerdings hätte dem Fleisch etwas weniger Fett besser gestanden und Salat – ganz gleich ob in oder um ein Gericht herum – habe ich irgendwie schonmal frischer gesehen… Glatter Abzug in der „B-Note“!

Anschließend fuhren wir Richtung Greven, Nordwalde und Altenberge nach Hohenholte, um nach einer Geburtstags-Stipp-Visite gegen 22.00 Uhr mächtig bibbernd über Bösensell und Senden wieder in L’hausen anzukommen und 110 km Zusatzkilometer auf den Tachos abzulesen.

 

Montag, 1. Mai 2006

Nach dem Aufstehen hagelt es zunächst lange Gesichter:
Statt der versprochenen sonnigen 14 – 15 Grad begrätzt uns ein extrem bewölkter Himmel, der zudem langsam aber sicher seine nassen Pforten zu öffnen scheihnt.

Egal! Wir fahren zur Bikers Farm nach Buldern, die eine irische Band geladen hat. Dank des Wetters bleibt uns jeder Platz-Kampf erspart. Nach dem Genuss eines (viel zu süßen!) Kakaos (das nächste Mal wird’s garantiert wieder Kaffee!) fahren wir über Nottuln nach Havixbeck und landeten bei Seesing, wo trotz des bereits angebrochenen frühen Abends noch mächtig was los ist.

Anschließend geht’s völlig unspektakulär auf direktem Wege zurück nach L’hausen.

 

 


Copyright: N+S (19.11.2005)
Letztes Update: 19.07.2014