Nordsee

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Pfingsten an der Nordsee
vom 13.05. – 16.05.2005

Aberglaube können wir uns nicht leisten, denn just am Freitag, den 13. beginnt unserer Pfingsturlaub. Gegen 15.00 Uhr starten wir in L’hausen und schlagen uns über Steinfurt, Rheine und die B70 Richtung Lingen und Meppen.

Nach einem kurzen Stop auf einem Parkplatz der an der B70 halten wir an der Eisdiele in der Meppener City: Dort kennt man zwar keine Kaffee-Pötte, aber immerhin lassen sich 2 Kännchen bestellen.

1. Übernachtung: Papenburg

Als wir gegen 19.00 Uhr Papenburg erreichen, beschließen wir, dort zu übernachten und schlagen uns zunächst einmal durch Richtung Rathaus direkt in der City. Das dortige elektronische Infosystem ist irgendwie völlig am tillen und somit wenig behilflich. Das auf der anderen Straßenseite gelegene Hotel CAFÈ HOTEL RÖTTGERS (Hauptkanal rechts 65) macht allerdings einen ganz erträglichen Eindruck und so hat die Suche ein Ende. Das Zimmer (für 74 Euro) mit Dusche und WC, Fön und Seife erweist sich tatsächlich als vollkommen ok.

Der Hotelier erlaubt uns auf Nachfrage netterweise, unsere Motorräder in einem abgeschlossenen Raum unterhalb des Hotels abzustellen, in dem normalerweise die Gartenmöbel und -bezüge geparkt werden.

Nach dem duschmässigen „Restaurieren“ unserer Astrahlkörper *lach* gehen wir eine Runde am Stadtkanal spazieren und müssen feststellen, dass man in diesem Örtchen offensichtlich viel zu früh die Bordsteine hochklappt.

Ein, zwei Leutchen tummeln sich aber dennoch auf den Straßen: Norbär drückt auf den Ampelknopf, der groß mit „Nur für Blinde“ beschriftet ist und…
Irgendwie fallen wir …! *sfg*

Kurz darauf finden wir auf der linken Kanalseite endlich eine Pizzeria („Atomic Pizza???“), die uns von außen einigermassen anspricht, drum beschließen wir, dort einzukehren. Sie erweist sich als wirklich klasse, zumindest haben sie „Thunfischsalat“ und „Pizza“ ziemlich lecker gut drauf.

Zum Abschluss dürfen wir uns selbst einen Absacker auswählen: Norbär meint, wir müssten unbedingt mal „Sambuca“ trinken.

Als man uns diesen flambiert mit 3 Kaffeebohnen serviert, schaun wir uns an, wie er so brennt… und brennt… und brennt…

Dann allerdings wird’s Norbär zu blöde und er pustet ihn aus.

Kaum geschehen, beisst die Bedienung hinter der Theke beinah in die Tischkante, um zeitgleich die höflicherweis zurückgehaltenen Lachtränen wegwischend zu murmeln: „Deckel!“

Endlich schnallt auch meinereiner, warum das Glas nicht AUF dem mitservierten Deckel abgestellt wurde, sondern dieser „so nachlässig“ daneben gelegt wurde, ersticke die Flamme mit dem Deckel, warte, bis sich das Tüchs abgekühlt hat und streike schaudernd bereits nach dem ersten Schluck, während es Norbär tapfer vernichtet.

Sodann allgemeine Ratlosigkeit: was machen wir mit den ollen im Gesöff schwimmenden Kaffeebohnen? Einfach ignorieren? Lieber Kauen oder gar lutschen??? Fragen über Fragen…

Norbär fackelt nicht lang, fischt sich diese heraus, zermahlt sie genussvoll mit seinen starken Beisserchen und meint anerkennend: „hmmm, schmeckt eigentlich ganz gut!“

Da ich das alles nicht wirklich verstehe, frage ich den Kellner beim Verlassen des Lokals, wie man denn nun richtigerweis mit den Bohnen verfährt: Tapfer um seine Fassung bemüht erklärt er mir gelächterunterdrückend-charmant: „öhmja, naja… eigentlich… nicht!“ *fg*
Und wieder was dazugelernt!

Leicht angesäuselt kehren wir dann in einer typisch altbackenen, aber dennoch netten Kneipe, dem „Alten Gasthaus Kuhr“ (die ebenfalls Zimmer vermieten) nur wenige Meter neben unserem Hotel ein und belegen als einzige einen Tisch, während die restlichen Gäste lustig gedrängt die Theke belagern.

Nach dem 3. Bier mag man uns kein weiteres mehr geben: schließlich ist es mittlerweile 1 Uhr nachts und den Wirt scheint sein Bett zu rufen. Bis dahin ergötzen wir uns allerdings an dem Gejauchze der anwesenden Thekensteher und fragen uns noch heute, ob man wohl in Papenburg generell mit „Jaaa-Hu“ (mit Betonung auf „Hu“) statt (bei uns üblich) „HAHA“ oder „HIHI(HI)“ lacht.

Einfach nur zum Abgröhlen komisch!

Tag 2: Aurich – Bensersiel – Esens

Am darauffolgenden Morgen beglückt uns der Hotelier erfreulicherweise mit verschiedenen (selbst dunklen!) Brötchensorten zum Frühstück. Dazu gibt es Marmelade, eine Aufschnitte- und Käseplatte, ein Glas Saft und neben massig Kaffee noch ein hartgekochtes Ei.

Ganz nebenbei lernen wir schon wieder dazu:
Wusstet ihr, dass es in Niedersachsen seit Salmonellenvorfällen in einem Altersheim generell keine weichgekochten Eier mehr gibt, es sei denn, der Gast besteht ausdrücklich darauf?

Nach dem Frühstück ist das am Vorabend so müde Städtchen erstaunlicherweise zu pulsierendem Leben erwacht. Angesichts der hübschen Klamottenläden denke ich gerade darüber nach, einfach ein geschnürtes Paket nach Hause zu schicken, um die begrenzten Staumöglichkeiten auf den Möppis nicht überzustrapazieren, als der Hotelier uns freundlich bittet, die beiden Vehikel möglichst bald aus ihrer Nachtbehausung zu holen, damit das Personal die Außensitzplätze des Cafes mit Stuhlauflagen schmücken kann.

So begnügen wir uns mit einer kurzen Stipp-Visite im Touri-Info-Center (was sich in Papenburg auf einem einbetonierten Schiff direkt gegenüber dem Rathaus befindet) und machen uns über Leer, Hesel und Aurich weiter auf den Weg in Richtung Nordsee.

    

Kurz vor Aurich kugelt sich Norbär fast vor Lachen auf seiner CBR: da ich urplötzlich von einer Gruppe Goldwing-Fahrer „verfolgt“ werde, sieht es wohl so aus, als sei meine CB auserkoren, diese nicht gerad winzige Horde mit ihren Schiffen anzuführen. *g*

Kaum haben wir Aurich erreicht, ruft erneut die Kaffee-Gier:
Leider finden wir auf der City-Durchfahrt kein geeignetes Cafe, das einem freie Sicht auf die beladenen Hobel ermöglicht, so halten wir halt bei McDoof. Der Kaffee ist gewohnt heiß und extrem lecker, besonders aber belustigen meinereiner die am Nebentisch hockenden genervten Eltern, die mit ihren quengeligen Sprösslingen offensichtlich auf dem Weg zur See sind… 🙂

Kurze Zeit später können wir dann endlich Nordseeluft schnuppern:
In Bensersiel ist dank „Pfingstfest am Hafen“ mit zahlreichen Buden und Ständen richtig was los. Einen Abstecher zum Strand müssen wir uns allerdings leider abschminken: selbst für ’nen Kurzbesuch muss Kurtaxe gezahlt werden. *gemein_das!* 🙁

So machen wir uns auf unserem Rundgang über ein Fischbrötchen her und trinken im windgeschützten Bereich des angrenzenden Fischladen ein Kännchen Kaffee, während die Sonne ihr Bestes gibt. So lässt‘ sich’s aushalten!

  

Der weitere Weg führt uns sodann nach Esens, wo wir auf dem Marktplatz bei einer Zigarettenpause beschließen, uns in Wittmund ein Hotel zu suchen.

Der Weg dorthin gestaltet sich allerdings weniger nett: Mittlerweile hat sich die Sonne versteckt und der Wind zerrt mächtig an den Möppis. Am Ortseingang von Wittmund wollen wir tanken, scheitern jedoch an einem dieser unbemannten Tankautomaten. Kaum haben wir dem sich weiter zuziehenden Himmel argwöhnisch unsere Aufmerksamkeit geschenkt, fängt es auch schon an zu dröppeln.

Nachdem wir einhellig beschlossen haben, keine Lust auf nasse Klamotten zu haben, machen wir prompt kehrt und rasen zurück ins noch helle Esens. Dort wird’s allerhöchste Zeit, der durstigen CBR eine Tankfüllung zu spendieren.

Bei der Gelegenheit fragen wir den Pächter nach der Wettervorhersage: Dieser will gehört haben, dass es zwar überall regnen solle, den Tag darauf aber wieder die Sonne lächeln täte.

Mittlerweile sind wir ausschließlich von dunklen Wolken umzingelt, drum freunden wir uns mit dem nicht wirklich befriedigenden Gedanken an, uns für die Nacht in Esens niederzulassen.

Wir fahren kurzerhand zurück in den Ortskern und fragen in Wieting’s Hotel direkt am Marktplatz nach einem Zimmer, wenngleich mit zu dem Zeitpunkt zunächst noch die Befürchtung beschleicht, dort nicht mehr heil rauszukommen (hey, wer macht sich wohl keine Sorgen, wenn er direkt beim Eintreten in eine schwummerige Stube auf einen „Glasaugenkoch“ trifft, der den Eindruck macht, er würde nachts mit Messern werfen???) *g*

Die erste Sorge ist natürlich unbegründet: alle erweisen sich als extrem nett, unsere Motorräder können sicher auf dem hoteleigenen Parkplatz hinter dem Haus parken und nach dem Aufschließen des Zimmers bin ich extrem entzückt:

Der Ausblick ist nicht unbedingt genial (oder wer starrt nach Öffnen der milchglasigen Fenster gerne auf ein Hausdach?) und auch fehlten Seife und Föhn: dank dem Wandanstrich in weinrot-weiss, der kompletten Couchgarnitur mit Tisch, dem Himmel(!)-Bett und dem extravaganten (aus zwei hochkant gestellten Ytong-Steinen konstruierten Fernseh-Tisch) schimpf ich diese Gemächer allerdings auch heute noch als das beste und gemütlichste Hotelzimmer, das ich je von innen gesehen habe! 🙂

(B.t.w. Vorsicht: Der Aufstieg zu den Hotelzimmern st sehr steil und kann daher nur einigermassen nüchternen Personen empfohlen werden! *g*)

Als wir uns nach dem Duschen aus dem Haus wagen, giesst es Katzen und Hunde:
Kaum haben wir „irgendwie fehlt ein Schirm“ gedacht, tippen wir uns fix an die Stirn: zum Nochmal-Hochlaufen und die Regenkombis holen fehlt uns jedoch der Elan. So jumpen wir durch die Gassen, stellen fest, dass wir nicht wirklich aus Zucker sind, flüchten aber trotzdem in eine Eisdiele, um unser „Abendessen“ zu verköstigen: Straciatella-Becher mit Kaffee und Himbeer-Becher mit Milchkaffee.

Nach dem Eisgenuss ist uns fröstelig, drum verzichten wir auf jede weitere Dorfbesichtigung im Regen und es drängt uns direkt zurück in die hoteleigene Restaurant-Kneipe. Dort belagert bereits ein (Kegel-)Club die Theke, während wir uns in eine gemütliche Ecke verkrümeln, von der aus wir das Geschehen im Blick haben.

Ein Bier später lässt uns der Club jedoch mit dem Chef-von’t-Ganze Wieting, dem Glasaugen-Koch, seiner hübschen, „blondsprechenden“ Genossin, der smarten, wenngleich leicht in die Jahre gekommenen Bedienung und „Rolf aus Mesum“ allein.

Nachdem letzter nicht umhin konnte, die Kneipenglocke auszuprobieren und uns prompt ein Freibier zuteil wird, reißt die Belustigung nicht mehr ab:

So erfahren wir, dass das „Piercen seines Käppies“ ziemlich weh getan hat, er nach dem gerad runtergespülten Teufels-Gemisch unbedingt zum Bungee-Jumping von einem Esener Funkturm los muss und seine zu Haus gebliebene Mama ihn offensichtlich sehr liebt: wie sonst ließe es sich erklären, dass diese nicht durch’s Handy
springt, nachdem er sie weit nach Mitternacht anruft, nur um zu erfahren, wie „das wohlschmeckende Tüchs in der blau-weissen Flasche mit der halben Apfelsine“ geheißen hat, dass unsere besorgten Eltern uns einst als Kiddies täglich eingefl?sst haben. *kopf_schüttel*

 

Nachdem wir die Kneipe „ausnahmsweise“ mal „abgeschlossen“ haben, fallen wir verdammt müde ins große, breite, megagemütliche Bett. Umso schwerer fällt das sonntägliche Aufstehen, nützt aber alles nix: Frühstück gibt’s nunmal nur bis 10.00 Uhr…

Pfingstsonntag: Wilhelmshaven – Dangast – Nordenham – Oldenburg

Im Nachhinein gesehen wären wir wohl besser liegen geblieben…

Bereits der Morgen beginnt höchst eigenartig:
Als wir gegen 9:45 Uhr den Frühstücksraum betreten, ist die Auswahl (Selbstbedienung) schon extrem beschränkt (nur noch eine Sorte Saft, wahrscheinlich Grapefruit, Eier waren aus, die großen Frucht-Joghurt-Schalen (hier gab’s wenigstens welchen!) und die Dosenfrüchte leer gelöffelt. Allerdings lässt sich noch ein Klecks Naturjogi retten und die Brötchen sind ebenfalls ziemlich lecker.

Die „Service-Kraft“ hat mit dem frühen Aufstehen offenbar auch keinen Vertrag und muffelte schleichend herum.

Dank Norbär’s Charme lässt sie sich auf die Bitte nach ’nem Kaffee-Nachschub sogar ein „aber gerne“ aus den Rippen leiern…

Bevor wir fahren, bezahlen wir beim gutgelaunten Chef persönlich, der uns den Abend zuvor noch die wundersame Geschichte von Esens und dem Bärentick mitgegeben hatte) und werden nett vom draußen rauchenden Glasaugenkoch verabschiedet.

Eigentlich doch kein so schlechter Anfang, zumal dann auch der weitere Weg zum Wilhelmshavener Südstrand absolut gängig ist.

Dort angekommen parken wir unterhalb des großen Aquariums und besorgen drinnen fix einen kleinen Hai mit Seifenblasenfläschchen als Mitbringsel für meinen Lütten.

Zwar ist an diesem Sonntag eine Menge Volk unterwegs, aber trotzdem nicht wirklich viel los. Leider ist auch die Fähre nach Helgoland längst unterwegs, so dass wir auf dessen Bestaunen verzichten müssen. Auch eine Fischbude suchen wir wieder einmal vergeblich.

Mittlerweile verspricht das Wetter nichts verheißungsvolles mehr, in Wilhelmshaven zieht es sich zu, bleibt allerdings trocken.

Wir fahren weiter an der Küste entlang und nehmen eine Nebenstrecke über Sande nach Varel-Dangast, um dort den Moppedtreff am Kurhaus zu suchen.

Ein hinter uns fahrender Cabrio-Fahrer bewahrt uns mitten in der Knüste netterweise vor einer öden Sackgasse und wir kommen kurz ins Gespräch: offensichtlich scheint er beim Moppedtreff in Gescher häufiger Stammgast zu sein.

Nach irre langen kleinen Landstraßen mit zahlreichen links- und rechtsseitigen Bauernhäuschen ereichen wir schließlich Dangast. Das Schild am Ortseingang macht nicht unbedingt Lust auf mehr: bat es doch darum, „leise“ zu fahren und droht mit einer sonst möglichen Streckensperrung. Motorradfahrer also „gaaanz herzlich willkommen!“

Nachdem wir den Ort durchquert hatten, befinden wir uns auf einem recht großen (kostenpflichtigen) Parkplatz, der kurz darauf von einer ganzen Horde Moppedfahrer besiedelt wird, die wahrscheinlich ebenfalls erfolglos das Kurhaus mit dem angeblich so klasse Kaffee suchen…

Die an den Parkplatz angrenzenden Büdchen und Cafés reizen schon, allerdings ziehen wir es vor zu wenden in der Hoffnung, das Dangaster Kurhaus doch noch zu finden. Wahrscheinlich befindet es sich jedoch in der Straße, auf der das Durchfahren an den Wochenenden nicht erlaubt ist.

So beschließen wir, eine Kleinigkeit im Störtebecker-Café (oder wie immer sich das auch richtig schimpfte) am Eck zu essen und uns dort einen Kaffee reinzutun.

Kaum haben wir den hauseigenen Parkplatz befahren, stürmt auch schon eine hysterisch-winkende „Dame“ in Moppedkluft heraus und fragte irgend etwas à la „ob wir die wären, die sie erwarte“, um uns anschließend völlig unerwartet anzukeifen: „Ihr könnt hier nicht parken, wir haben auch so schon so wenig Parkplätze!“ – gaaanz prima!

Ihren besten Tag haben wir sicher nicht erwischt. Aber vielleicht interessiert es sie ja generell kein Stück, ob wer als Gast und Kunde kommt?

Zwar ist uns die Lust auf ’nen Kaffee extrem vergangen, eine (Handgelenk-)Pause tut aber dringend Not, drum lassen wir uns trotzdem auf der Außenterrasse nieder.

Mit einem zünftigen „Pott Kaffee“ ist man dort jedoch überfordert. So erklärt uns die Bedienung, dass die Becher nicht nach draußen gebracht werden können, es sei ihr allerdings möglich, uns ein Kännchen Kaffee und zwei kleine Tassen bringen.
(Oh Mahann!!! Wovor hat man dort Angst??? – Verstehe das, wer will!)

Als dann anderen Leuten seltsamerweise „Milchkaffee“ sehr wohl draußen in Bechern serviert wurde, fühlen wir uns schon ein wenig verar…!

Fazit:
Wir brauchen Dangast nicht wirklich…!
… oder wer fährt schon dorthin, wo er offenkundig absolut nicht erwünscht ist?

Nach diesem „Anti-Erlebnis“ machen wir uns fix auf in Richtung Nordenham.

Die Fahrt dorthin wird sehr ungemütlich: dunkle Regenwolken türmen sich an mehren Stellen auf uns es wird windig ohne Ende – vom Motorrad-Fahrspaß kann keine Rede mehr sein…

Nichtsdestotrotz wollen wir unbedingt zur Weserfähre.
Endlich über die eintönige Straße in Nordenham angekommen fahren wir zunächst direkt zum MIDGRAD-Hafen.

Von „Hafenleben“ jedoch keine Spur: keine Fischbuden, keine Schiffe, nur abgesperrtes Gelände. Dann finden wir endlich einen Hinweis darauf, dass die Weserfähre von Nordenham-Blexen abfährt und werfen dort kurze Zeit später den Anker.

Leider finden wir auch hier keine Fischbude, drum beschließen wir, im Restaurant „Weserterrassen“ etwas essen. Kaum halten wir in dem ungemütlichen, fast leeren, bahnhofskneipenähnlichen Lokal die Speisekarte in der Hand, beglücken uns die dort aufgeführten „Tagesgerichte“ nicht im geringsten. Als wir vom Nachbartisch erfahren, dass die Hälfte eh „gerad aus“ ist, beschränken wir unseren Konsum auf einen Pott Kaffee.

Als wir weiterfahren wollten, hat sich bereits ein ganzer Pulk an Autos angesammelt, der auf die nächste Weserüberquerung wartete. Um dem eintönigen, windigen Rückweg zu entgehen, liebäugeln wir kurz mit dem Gedanken, überzusetzen, verwerfen diesen aber sofort nach Blick auf die sich über Bremerhaven bedrohlich tummelnden Wolken.

Also fix auf’s Mopped geschwungen, E-Starter gedrückt und…

… Stille! Irgendwie rührt sich bei der CB absolut gar nichts mehr! Kein Summen, kein Knurren und nichtmal eiiin verschämt-schwach-aufleuchtendes Lämpchen! *graus*

Doch gerade als ich die Nummer des ADAC auf’m Handy eintippen will, springt das Schätzken plötzlich wieder an (Norbär hatte einfach an den Kabeln der Batterie gewackelt) *schweiss_vonner_stirn_wisch* 🙂

Also Ende der Vorstellung und ab zurück nach Nordenham-City.
Kurz bevor mein Magen knapp hinter dem Ort endgültig dank Speisen-Entzug überfordert ist, halten wir am Kreisverkehr an der Stadthalle Friedeburg an einer „Mitnehm“-Pizzeria mit dem ausladenden Namen „CITY Pizza-Service“.

Trotz usprünglicher Skepsis ist das Essen mächtig lecker:
Norbert bestellt sich einen Brokkoli-Kartoffelauflauf, einereiner eine kleine Pizza Tonno und einen Salat: Die „kleine Pizza“ ist allerdings so groß, dass sie selbst ’nen Ringer locker satt gemacht hätte.

Selbst während des Essens ist für köstliche Unterhaltung gesorgt:

Erst präsentierten sich uns die seltsamen Essmanieren der „Familie Flodder“ (live am Nebentisch) und anschließend noch monty-python-like Einlagen wie ein turbanbestückten Inder, der urplötzlich „durch das Bild“ zu den Toiletten schlurft!

Unbeschreiblich irre Situationskomik vom Feinsten eben und für einen kleinen Moment habe ich das Gefühl, jeden Augenblick würde sich das Team der „versteckten Kamera“ outen…! 🙂

Da wir keinesfalls in dem Nest bleiben wollen, führen wir unsere Moppeds uns um kurz nach 20 Uhr zurück auf die Piste: beim Losfahren bin ich derart durch den Kakao, dass ich mir maximal noch die Strecke bis nach Brake gebe. Der nachlassende Wind und die wunderschöne, spätabendliche, langsam untergehende Sonne lassen mich dann aber doch – wie ursprünglich geplant – bis Oldenburg durchhalten.

 

Ursprünglich hatten wir mit dem (per Internet vorausgesuchten) Hotel Graf von Oldenburg in der Heiligengeiststrasse 9 (in der Innenstadt) geliebäugelt.

Der Anblick des ausladenden Gebäudes änderte aber schlagartig unsere Meinung (vielleicht ein Fehler? Auf den Internetseiten zumindest sah es ziemlich nett aus!).

Da es mittlerweile bereits kurz vor 21 Uhr ist, wollen wir nur noch ins Hotel und rufen kurzerhand im – als bikerfreundlich ausgewiesenen – „Patentkrug“ (Wilhelmshavener Heerstraße 359) in Oldenburg-Etzhorn an. Als wir hören, dass dort noch etwas frei ist, wenden wir unsere Maschinen und fahren schnell stadtauswärts. Auweia, was vornehm!

Bei Eintritt in das sich vorne befindliche Restaurant wurde sogar gefragt, ob wir das Zimmer vorab besichtigen möchten (ich glaub, zu diesem Zeitpunkt hätte ich selbst das letzte Mauseloch genommen!)

Letztendlich erwies es sich dennoch als einziges Hotel, in dem nicht einmal ein Meldeschein ausgefüllt werden musste.

Den Schlüssel endlich in der Hand parken wir die Möppis hinter dem Haus und finden auch den beschriebenen Hoteleingang; die Tür mit der Nummer 1 lässt sich allerdings nicht erspähen. Wir verlassen das Gebäude und versuchen es bei der Tür im Gebäude davor:

Fehlanzeige, dies ist offensichtlich die Küche und selbstredend passt der Schlüssel dort auch nicht. So probieren wir im hinteren Gebäude einfach sämtliche Türen, um festzustellen, dass eine davon tatsächlich zum Hotelhintereingang führt.

Nach dem Aufschließen unseres Zimmers staunen wir Bauklötze:
hier lässt sich wirklich Cha-Cha tanzen: es ist riesengroß, bietet neben einem relativ schmal wirkenden Doppelbett eine durch Bücherregal-Trennwand abgeteilte Sitzecke mit kompletter Sitzgarnitur und (von uns ungenutzten) Fernseher.

Zum großen Bad mit Ausgang zum Balkon (der allerdings recht baufällig aussieht),geht es durch einen relativ langen Gang. Die Toilette hat die landläufige Bezeichnung „Thron“ wirklich verdient, denn sie befindet sich auf einem Sockel, den man nach ?berbrückung einer Stufe besteigen kann. Auch die Dusche ist erhöht gebaut: hübsch anzuschauen, aber keinesfalls eine gute Wahl für Fußkranke.

Weitere Annehmlichkeiten sind ein Seifenspender (mit wohlriechender Lidl-Seife) und ein Fön (mit diversen großen und kleinen Aufsätzen für jedwede Lockenpracht).

Trotz unserer kurzfristigen Ankunft steht in unserem Zimmer übrigens eine Mini-Flasche Wasser nebst 2 Gläser parat. Nicht übel! 😉

Nach dem Duschen gehen wir noch einmal runter in das Restaurant, in der Hoffnung dort noch einen Schoppen trinken zu können.

Noch ist der neumodern eingerichtete und für unseren Geschmack viel zu hell-beleuchtete Speisesaal mit ungewöhnlich nah beieinander-stehenden Tischen sehr gut besucht und unendliche Gourmet-Auszeichnungen zieren die langweilig-weißen Wände.

Jeans gehören hier offenbar nicht unbedingt zum gewohnten Erscheinungsbild, allerdings sind die Speisenden offensichtlich viel zu sehr mit ihren kulinarischen Köstlichkeiten beschäftigt, als uns – die wir es uns in einer Ledercouch-Nische am Schwenkgrill-Kamin gemütlich machen – überhaupt wahrzunehmen.

Nach und nach verabschieden sich die Gäste: nicht ohne dem im Saal herumschlawenzelnden Koch noch hier und da die Hände zu schütteln und ein-zwei Worte mit ihm zu wechseln.

Laut Aushang schließt die Lokalität um 23 Uhr.

Netterweise lässt man uns jedoch selbst dann noch in Ruhe dort sitzen, nachdem
die Restaurant-Vordertür abgeschlossen wird und serviert uns mit dem gleichen Lächeln
wie zuvor Krombacher in großen schlanken Tulpen.

Kaum hat das speisende Volk jedoch das Lokal geräumt, beginnt der „Koch“ (vielleicht sogar gleichzeitig „Chef“ des Ganzen???), seine Angestellten im Nebenraum strammstehen zu lassen.

Als uns die Zankerei zu doll wird und die kleine Angestellte zudem in Tränen
ausbricht, wird es uns zu bunt und wir verkrümeln uns auf unser Zimmer.

Irgendwie keine feine Art, seine Mitarbeiter vor Gäste-Ohren nieder zu machen (oder zählen Biker letztendlich vielleicht gar nicht als solche?)

Pfingstmontag: Oldenburg – L’hausen

Nach einer geruhsamen Nacht genießen wir am Folgetag ein exclusiv dreinschauendes Frühstück:

Statt Frühstücksbuffet (s. Vortag) erwartet uns ein nett gedeckter, direkt für uns vorgesehener Tisch mit Brötchenkorb (leider nur Weizenbrötchen),drei kleine Schüsseln mit verschiedenen Fischsalaten (Shrimps, Hering und was-auch-immer-welches-Flossengetier-sich-in-der-dritten-tummelte).

Kaum haben wir es uns bequem gemacht, bringt uns die „die Dame des Hauses“ auch schon eine Kanne Kaffee nebst einem großen Teller mit Käse, Aufschnitt, frischen Salatblättern, frischen geachtelten Tomaten und Weintrauben (endlich Vitamine!!!)

Kaffee-Nachschub ist überhaupt kein Problem. So frühstücken wir auch am Pfingstmontag Norbär rollten sich allerdings die Fußnägel auf und er fühlte sich dort alles andere als wohl!)

Anschließend machen wir uns fertig zur Abfahrt.

Beim Auschecken stellen wir witzigerweise fest, dass der nette Angestellte, der uns am Abend zuvor bedient hatte, ursprünglich aus Coesfeld stammt…

Schließlich machen wir uns auf den Rückweg über Garrel, Cloppenburg,Quakenbrück, Bersenbrück, Ankum (nettes Kaff, leider aber zu spät erkannt!) und Ueffeln, wo wir in einem typischen Ausflugscafé am Wegesrand einen Stopp einlegen und in einem Nebenraum (fernab der kuchenverschlingenden Omas und Opas) einen Megapott Milchkaffee genießen.

Danach geht es über Neuenkirchen und Ibbenbüren (boooah, was iss das dort bergig!) Richtung Münster und Greven.

Kurz hinter Greven (aber noch vor Münster-Nienberge) legen wir einen weiteren Stop in einem „Biergarten-Café“ ein und „inhalieren“ erneut einKännchen Kaffee.

 

Danach geht es über Roxel, Albachten und Senden zurück nach Lüdinghausen.

Nachdem wir am Ortseingang getankt haben, kehren wir noch fix bei „Theo“(’s Stever-Grill) ein, um dort endlich etwas „ordentliches“ (Gyros- und Athen-Teller) zwischen die Kiemen zu bekommen 🙂

 


Copyright: N+S (19.11.2005)
Letztes Update: 19.07.2014